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Wellensittiche im kleinen Käfig halten?

Wellensittiche im kleinen Käfig halten?

Unter den Ziervögeln sind Wellensittiche zahlreich vertreten. Es handelt sich um kleine Singvögel, die deswegen anspruchslos erscheinen. Stimmt das wirklich, fühlen sich Wellensittiche im kleinen Käfig mit einigen Körnern bereits wohl? Leider nicht, sie benötigen viel mehr Platz und bevorzugen eine abwechslungsreiche Fütterung mit frischem Gemüse, Kräutern und weiteren Leckerchen.

Bereits um 1840 erreichten die ersten Wellensittiche Europa. Bei einstigen Haltungsbedingungen ging es häufig darum, dass die Tiere sie überleben. Besser ist es, wenn sie sich auch wohlfühlen und damit seelisch gesund bleiben. Dennoch wirken auch heute noch die allermeisten Käfige für Wellensittiche viel zu klein. Auf so wenig Raum können die Federtiere nicht richtig fliegen.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz erklärt, dass Wellensittiche immer paarweise gehalten werden müssen. Die Einzelhaltung kommt bei Papageien, zu denen Wellensittiche zählen, direkt der Tierquälerei gleich. Für ein bis drei Paare soll die Voliere wenigstens eine Grundfläche von 150 x 60 cm haben und mindestens 100 cm hoch sein. Und selbst dann wäre es notwendig, dass die Wellensittiche täglich mindestens für eine Stunde im Raum frei fliegen dürfen, am besten sogar durchgehend.

Zurück zu den Käfigen für Wellensittiche aus dem Handel: Der Großteil dieser Käfige bringt vielleicht die Hälfte dieser Mindestmaße und wer gönnt seinen Wellensittichen über die Lebensspanne von 8 bis 12 Jahren schon einen täglichen Freiflug?

Wellensittiche wirken auch wegen ihrer geringen Größe und ihres fröhlichen Charakters als pflegeleichte Haustiere. Wer sich als angehender Halter diese Anforderungen ansieht, sollte sich gewissenhaft fragen, ob er sie erfüllen kann.

Wellensittiche im kleinen Käfig halten?

Eignet sich das Zimmer für den sicheren Freiflug?

Die munter trällernden Wellensittiche sind aktiv, freundlich und sehr gesellig. Sehr gerne freunden sie sich mit der fütternden Hand an, landen auf der Schulter oder dem Finger und sind eine Bereicherung für entspannte Nachmittage.

Für das erfüllte und gesunde Leben ist die tägliche Bewegung ausschlaggebend. Wellensittiche müssen ihre Flügel benutzen, ihre Muskeln trainieren und wenigstens ein paar Meter am Stück fliegen können. Dieses ist auch für das Skelett sehr wichtig. Wer keine begehbare Voliere vom Raum abtrennt, muss seinen gefiederten Freunden den täglichen Freiflug gönnen.

Gefahren für den Freiflug:

– geöffnete Fenster

– dünne Gardinen (verheddern)

– giftige Pflanzen

– Stromkabel

– offene Gefäße

– verarbeitete oder allgemein giftige Lebensmittel

– die Hauskatze

– umkippende Gegenstände wie Bücher und Fotorahmen

– heiße Leuchtmittel

– nagbare Kunststoffe

– die geöffnete Zimmertür

Wellensittiche sehen UV-Licht und werden von diesem magisch angezogen. Fensterscheiben filtern dieses heraus. Ist das Fenster auf Kipp, werden Wellensittiche das sofort sehen und entwischen. Das Fenster muss geschlossen sein und sollte zusätzlich durch ein Fenstergitter gesichert werden.

Genauso sollte die Zimmertür und auch die Tür aus dem Vorraum geschlossen bleiben. Zudem müssen die genannten Gefahrenquellen entweder aus dem Raum verschwinden oder gesichert werden. Um heiß werdende Leuchtmittel kommt ein Gitter, Elektrokabel müssen in einen Kabelschutz und dünne Gardinen wären durch schwere Vorhänge zu ersetzen.

Stören mich die Kleckse?

Wellensittiche lassen sich nicht wie Katzen auf ein Klo umleiten. Dort, wo sie gerne sitzen, landen auch die Kleckse. Wer das nicht so gerne mag, sollte direkt eine massive Laufschiene für Vorhänge an die Decke montieren, um sein Bett zu sichern. Alternativ wäre auch eine Decke denkbar, die über das Bett oder den Sessel geworfen wird. Selbst Ausklapp-Betten wären eine praktikable Möglichkeit.

Die andere Strategie lautet, den Wellensittichen Sitzgelegenheiten anzubieten, unter denen beispielsweise ein Karton liegt. Wellensittiche brauchen im Freiflug-Zimmer viele Landemöglichkeiten. Sie erkunden gerne die Gegend, werden aber zum Ruhen die Sitzgelegenheiten annehmen. Hier gibt es im Handel wie für Katzen ganze Türme oder aber einzelne Sitzstangen, die sich leicht montieren lassen.

Bei allem, was sich machen lässt, klappt es nicht immer. Wer bei der Hygiene pingelig ist, sollte das also bereits vor dem Einzug der schönen Vögel bedenken.

Tägliches Frischfutter und Hygiene werden vorausgesetzt

Die kleinen Wellensittiche benötigen keine großen Mengen. Sie möchten dennoch täglich etwas Frischfutter. Wichtig ist, den empfindlichen Vögeln nur verträgliche Futterpflanzen zu geben. Diese sollen außerdem aus dem Bio-Anbau stammen. Ein Salatblatt, ein kleines Stück Möhre oder auch junge Brennnesseln und Löwenzahn eignen sich. Wer Futterpflanzen von der Wiese zupft, muss jedoch darauf achten, dass diese unbelastet ist.

Viele Welli-Halter werden auch zu kleinen Kräutergärtnern. Wer hat schon ständig frisches Bio-Gemüse im Haus? Auch Keimsprossen oder Zweige von Obstbäumen eignen sich als Leckerchen. Frische Zweige sind sogar zum Nagen mit dem Schnabel sehr wichtig. Wer sich bei der Futterwahl noch unsicher ist, sollte sich an Futterlisten für Wellensittiche orientieren.

Wellensittiche zählen obendrein zu den anspruchsvollen Körnerfressern. Die Mischung muss auf Wellensittiche abgepasst sein, sonst passt die Nährstoffbilanz nicht.

Wichtig bleibt, Futternäpfe für Frischfutter und die Wassernäpfe täglich zu reinigen und frisches Wasser zu geben. Dieses enthält möglicherweise etwas Chlor. Dieses ist jedoch flüchtig, wer das Wasser in einer Schale für eine Stunde abstehen lässt und es dann in den Wasserspender gibt, ist auf der ganz sicheren Seite.

Die bereits erwähnten Kleckse sollen zeitnah entfernt werden. Wenn diese unter den Sitzstangen bereits eingetrocknet sind, wäre ein kleiner Akkusauger eine Möglichkeit. Im Käfig ist auch die Wahl der Einstreu wichtig. Ein dünner Vogelsand sollte regelmäßiger als Buchen-Granulat gewechselt werden. Die Kleckse sinken im Granulat einfach ein, dennoch sollte auch dieses nicht zu lange liegenbleiben.

Tägliche Zuwendung verbessert die Welli-Laune

Kein Mensch und kein Vogel einer anderen Art kann dem Wellensittich seinen Partner ersetzen. Dennoch freuen sich die kleinen Singvögel über Gesellschaft und begrüßen es, wenn ihr Mensch zugegen ist. Gerade während der Freiflug-Zeiten kann immer etwas passieren, weswegen Wellensittiche nicht unbeaufsichtigt sein sollten.

Der trällernde Singvogel im Käfig macht durchaus einen pflegeleichten Eindruck. Insgesamt eignen sich Wellensittiche jedoch nur für Halter mit großer Voliere oder für Halter, die sich über viele Jahre intensiv mit ihren gefiederten Freunden befassen wollen. Unter guten Haltungsbedingungen und mit täglicher Aufmerksamkeit sind Wellensittiche anhängliche und dankbare Mitbewohner.